Prozessautomatisierung

Freigabeprozesse digitalisieren: 5 Typen, Tools & Best Practices [2026]

Jonas Höttler8. Februar 20266 min

Freigabeprozesse gehören zu den häufigsten Geschäftsprozessen überhaupt - und gleichzeitig zu den ineffizientesten. Unterschriftenmappen, E-Mail-Ketten und "Wo liegt mein Antrag?"-Nachfragen kosten Unternehmen jede Woche dutzende Arbeitsstunden.

Die gute Nachricht: Freigabeprozesse lassen sich mit überschaubarem Aufwand digitalisieren und automatisieren. In diesem Guide zeigen wir, wie automatisierte Freigabeprozesse funktionieren, welche Tools sich eignen und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen.

Was sind Freigabeprozesse?

Ein Freigabeprozess (auch: Genehmigungsprozess, Approval Workflow) ist ein strukturierter Ablauf, bei dem eine Person oder Stelle eine Entscheidung über einen Vorgang trifft - typischerweise Genehmigung oder Ablehnung.

Typischer Ablauf:

  1. Antragsteller reicht Vorgang ein
  2. Vorgang wird an Freigeber weitergeleitet
  3. Freigeber prüft und entscheidet (genehmigen/ablehnen/zurückverweisen)
  4. Bei Genehmigung: automatische Weiterverarbeitung
  5. Dokumentation und Archivierung

Das klingt einfach - wird in der Praxis aber oft zur Odyssee, wenn Anträge in Postfächern verschwinden, Vertretungsregeln fehlen oder Eskalationen nicht definiert sind.

Warum Freigabeprozesse digitalisieren?

Probleme manueller Freigaben

  • Lange Liegezeiten: Anträge warten Tage oder Wochen auf Bearbeitung
  • Fehlende Transparenz: Niemand weiß, wo ein Antrag gerade steckt
  • Keine Nachverfolgbarkeit: Wer hat wann was genehmigt?
  • Fehleranfälligkeit: Falsche Freigeber, vergessene Schritte
  • Vertretungsprobleme: Was passiert bei Urlaub oder Krankheit?

Vorteile digitaler Freigaben

  • Automatisches Routing: Anträge landen automatisch beim richtigen Freigeber
  • Echtzeit-Tracking: Jederzeit sichtbar, wo ein Vorgang steht
  • Lückenlose Dokumentation: Vollständiger Audit-Trail für Compliance
  • Vertretungsregeln: Automatische Weiterleitung bei Abwesenheit
  • Eskalationen: Automatische Erinnerungen bei Fristüberschreitung

Die 5 wichtigsten Freigabeprozesse

1. Rechnungsfreigabe

Die Rechnungsfreigabe ist oft der erste Kandidat für Digitalisierung - und der mit dem größten ROI.

Typischer digitaler Ablauf:

  • Rechnung geht ein (E-Mail, Scan, E-Rechnung)
  • Automatische Erfassung der Rechnungsdaten (OCR oder E-Invoicing)
  • Zuordnung zu Bestellung/Vertrag
  • Sachliche Prüfung durch Fachabteilung
  • Freigabe durch Budget-Verantwortlichen (ggf. mehrstufig je nach Betrag)
  • Übergabe an Buchhaltung/ERP

Tools: DATEV Unternehmen online, GetMyInvoices, Candis, oder Workflow-Plattformen wie Make/n8n

2. Bestellfreigabe

Bestellfreigaben stellen sicher, dass Ausgaben kontrolliert und budgetiert sind.

Typischer digitaler Ablauf:

  • Mitarbeiter erstellt Bestellanforderung (BANF)
  • Automatische Prüfung gegen Budgetgrenzen
  • Routing an Vorgesetzten (bei kleinen Beträgen) oder Einkauf (bei größeren)
  • Genehmigung mit digitaler Signatur
  • Automatische Bestellung beim Lieferanten

Besonderheit: Wertgrenzen-basiertes Routing (z.B. bis 500€ Teamleiter, bis 5.000€ Abteilungsleiter, darüber Geschäftsführung)

3. Urlaubsanträge

Der Klassiker unter den Freigabeprozessen - und oft noch überraschend analog.

Typischer digitaler Ablauf:

  • Mitarbeiter beantragt Urlaub über Self-Service-Portal
  • Automatische Prüfung des Resturlaubs
  • Weiterleitung an Vorgesetzten
  • Genehmigung per Klick oder App
  • Automatische Eintragung im Kalender und HR-System
  • Benachrichtigung an das Team

Tools: Personio, HRworks, Absence.io, oder über Power Automate/Make angebunden

4. Vertragsfreigabe

Verträge brauchen oft mehrere Freigabestufen und sind compliance-relevant.

Typischer digitaler Ablauf:

  • Vertragsentwurf wird hochgeladen
  • Fachliche Prüfung durch Fachabteilung
  • Rechtliche Prüfung durch Rechtsabteilung
  • Kaufmännische Prüfung (bei relevantem Volumen)
  • Finale Freigabe durch Geschäftsführung
  • Digitale Unterschrift und Archivierung

Besonderheit: Parallele Freigaben (Recht und Fachabteilung gleichzeitig) beschleunigen den Prozess erheblich.

5. Content-Freigabe

Marketing-Teams, Redaktionen und Agenturen kennen das Problem: Content-Freigaben dauern ewig.

Typischer digitaler Ablauf:

  • Content wird erstellt und zur Review eingereicht
  • Automatische Zuweisung an Reviewer (Fachexperte, Compliance, Management)
  • Kommentare und Änderungswünsche direkt im Tool
  • Finale Freigabe und Veröffentlichung
  • Archivierung der freigegebenen Version

Tools für digitale Freigabeprozesse

No-Code Workflow-Tools

Für die meisten Unternehmen ist ein No-Code-Ansatz der beste Einstieg:

  • Make (ehemals Integromat): Visueller Workflow-Builder, der beliebige Apps verbindet. Ideal für Freigabeprozesse mit mehreren Systemen.
  • Microsoft Power Automate: Nahtlose Integration mit Microsoft 365. Perfekt für Unternehmen im Microsoft-Ökosystem.
  • n8n: Open-Source-Alternative mit voller Kontrolle. Self-hosted möglich.
  • Zapier: Einfachste Bedienung, ideal für Einsteiger mit einfachen Freigaben.

Dedizierte Freigabe-Software

  • Kissflow: Spezialisiert auf Approval Workflows
  • ProcessMaker: Open-Source BPM mit starken Freigabefunktionen
  • Nintex: Enterprise-Lösung für komplexe Genehmigungsprozesse

In bestehenden Tools

Viele Unternehmen haben bereits Tools, die Freigaben unterstützen:

  • Jira/Confluence: Approval-Plugins
  • SharePoint: Power Automate Flows
  • Slack/Teams: Approval-Bots und -Integrationen

Best Practices für digitale Freigabeprozesse

1. Klein starten

Beginnen Sie mit einem Freigabeprozess, der:

  • Häufig vorkommt (mindestens wöchentlich)
  • Klare Regeln hat (wer genehmigt was)
  • Aktuell Frust verursacht
  • Überschaubare Komplexität hat

2. Vertretungsregeln definieren

Jeder Freigabeprozess braucht Vertretungsregeln:

  • Wer genehmigt bei Urlaub des Freigebers?
  • Nach wie vielen Tagen wird automatisch eskaliert?
  • Gibt es eine Obergrenze für die Vertretungsbefugnis?

3. Wertgrenzen intelligent nutzen

Nicht jeder Vorgang braucht die gleiche Freigabestufe:

  • Kleinstbeträge: Automatische Genehmigung
  • Kleine Beträge: Eine Freigabestufe
  • Mittlere Beträge: Zwei Freigabestufen
  • Große Beträge: Mehrstufig mit Geschäftsführung

4. Transparenz schaffen

  • Dashboard für offene Freigaben
  • Automatische Statusbenachrichtigungen
  • Durchlaufzeiten messen und optimieren

5. Compliance sicherstellen

  • Vollständiger Audit-Trail (wer, wann, was)
  • Revisionssichere Archivierung
  • Vier-Augen-Prinzip bei sensiblen Vorgängen
  • DSGVO-konforme Datenverarbeitung

Schritt-für-Schritt: Freigabeprozess digitalisieren

Schritt 1: IST-Prozess aufnehmen

Dokumentieren Sie den aktuellen Ablauf:

  • Wer stellt den Antrag?
  • Welche Informationen werden benötigt?
  • Wer genehmigt (und nach welchen Kriterien)?
  • Was passiert nach der Genehmigung?
  • Welche Ausnahmen gibt es?

Schritt 2: SOLL-Prozess definieren

Optimieren Sie vor dem Digitalisieren:

  • Unnötige Freigabestufen eliminieren
  • Wertgrenzen definieren
  • Vertretungsregeln festlegen
  • Eskalationswege klären

Schritt 3: Tool auswählen

Wählen Sie das passende Werkzeug:

  • Wie viele Systeme müssen angebunden werden?
  • Wie komplex sind die Freigaberegeln?
  • Welche IT-Infrastruktur existiert bereits?
  • Wie hoch ist das Budget?

Schritt 4: Implementieren und testen

  • Workflow im Tool abbilden
  • Mit Testdaten durchspielen
  • Alle Sonderfälle prüfen (Ablehnung, Rückverweisung, Vertretung)
  • Pilotgruppe einbeziehen

Schritt 5: Ausrollen und optimieren

  • Schrittweise auf alle Nutzer ausweiten
  • Schulungen durchführen
  • Feedback sammeln
  • Durchlaufzeiten messen und kontinuierlich verbessern

Typische Fehler vermeiden

  • Zu komplex starten: Beginnen Sie nicht mit dem komplexesten Freigabeprozess
  • Ohne Prozessoptimierung: Einen schlechten Prozess zu digitalisieren macht ihn nur digital schlecht
  • IT-Abteilung vergessen: Frühzeitig einbinden, nicht überraschen
  • Keine Vertretungsregeln: Der häufigste Grund für stockende digitale Freigaben
  • Kein Change Management: Mitarbeiter müssen den Nutzen verstehen

Fazit: Jetzt Freigabeprozesse digitalisieren

Digitale Freigabeprozesse sind einer der schnellsten Wege zu mehr Effizienz im Unternehmen. Die Tools sind ausgereift, die Kosten überschaubar und der Nutzen sofort spürbar.

Starten Sie mit dem Freigabeprozess, der Ihnen am meisten Kopfschmerzen bereitet - typischerweise Rechnungsfreigaben oder Urlaubsanträge. In 2-4 Wochen können Sie den ersten digitalen Freigabeprozess live haben.

Wir unterstützen Sie gerne bei der Analyse, Tool-Auswahl und Implementierung Ihrer Prozessautomatisierung. Von der Digitalisierung einzelner Prozesse bis zum umfassenden Workflow Management - wir finden die passende Lösung für Ihr Unternehmen.

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